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Wissen rund um die digitale Transformation
Die digitale Transformation des Bau- und Gebäudesektors entwickelt sich kontinuierlich weiter. Standards, Richtlinien und Technologien schaffen die Grundlage für interoperable Informationsmodelle und Digitale Zwillinge.
Hier bündeln wir ausgewählte Ressourcen, Normen, Praxishilfen und Initiativen, die wir in unserer täglichen Arbeit einsetzen und empfehlen.
Die Wissensplattform wird kontinuierlich erweitert.
OpenBIM
Offene Standards schaffen die Grundlage für einen herstellerneutralen Informationsaustausch. Von der Struktur des Informationsmodells über eindeutig definierte Eigenschaften und Informationsanforderungen bis zur modellbasierten Zusammenarbeit greifen verschiedene OpenBIM-Standards ineinander.
- IFC – Industry Foundation Classes
IFC ist ein offener, herstellerneutraler Standard zur strukturierten Beschreibung und zum Austausch von Informationen über Bauwerke und Anlagen. IFC bildet dabei nicht nur Geometrie ab, sondern auch Objekte, Eigenschaften und Beziehungen. Die aktuelle offizielle IFC-Version ist IFC 4.3; sie ist als ISO 16739-1:2024 veröffentlicht. Weitere Infos zu IFC bei buildingSMART. - MVD – Model View Definition
Eine MVD definiert eine für einen bestimmten Austauschzweck relevante Teilmenge des IFC-Schemas. Dadurch kann festgelegt werden, welche IFC-Strukturen und Informationen für einen konkreten Anwendungsfall unterstützt werden müssen. - bSDD – buildingSMART Data Dictionary
Das bSDD stellt strukturierte Begriffe, Definitionen, Klassifikationen und Eigenschaften für die gebaute Umwelt bereit. Dadurch können unterschiedliche Systeme und Beteiligte Begriffe eindeutiger referenzieren und Informationen semantisch besser miteinander verbinden. - IDM – Information Delivery Manual
Ein IDM beschreibt, welche Informationen in einem bestimmten Prozess oder Anwendungsfall benötigt und zwischen Beteiligten ausgetauscht werden sollen. Dabei werden Informationsanforderungen, Prozessschritte und Verantwortlichkeiten strukturiert beschrieben. Die methodische Grundlage für IDM ist in der Normenreihe ISO 29481 festgelegt. ISO 29481-1 beschreibt Methodik und Format, während ISO 29481-2 den Interaction Framework behandelt. - IDS – Information Delivery Specification
IDS ermöglicht es, Informationsanforderungen maschinenlesbar zu beschreiben. Damit lässt sich beispielsweise festlegen, welche Eigenschaften bestimmte Objekte in einem IFC-Modell besitzen müssen, und anschließend automatisiert prüfen, ob diese Anforderungen erfüllt sind. IDS 1.0 ist seit Juni 2024 offizieller buildingSMART-Standard. - BCF – BIM Collaboration Format
BCF ist ein offener Standard für die modellbezogene Kommunikation und das Issue-Management. Hinweise, Aufgaben oder Probleme können mit bestimmten Bauteilen und Modellansichten verknüpft und zwischen unterschiedlichen BIM-Anwendungen ausgetauscht werden. Weitere Infos zu BCF bei buildingSMART.
BIM-Management
BIM-Management schafft den organisatorischen Rahmen für einen strukturierten und verlässlichen Umgang mit Informationen über den Lebenszyklus eines Bauwerks. Standards, Informationsanforderungen und Abwicklungspläne definieren, welche Informationen benötigt werden, wann und in welcher Qualität sie bereitzustellen sind und wie Prozesse, Rollen und Verantwortlichkeiten organisiert werden.
- ISO 19650 – Informationsmanagement mit BIM
Die Normenreihe ISO 19650 beschreibt Grundsätze und Prozesse für das Informationsmanagement mit BIM über den Lebenszyklus von Bauwerken. Sie schafft einen organisatorischen Rahmen für die Erstellung, den Austausch, die Versionierung und die strukturierte Verwaltung von Informationen zwischen den beteiligten Akteuren. Für die Teile 1 bis 3 liegen aktuell neue Norm-Entwürfe vor, die die bestehenden Ausgaben überarbeiten. Insbesondere Teil 2 wird dabei stärker auf einen einheitlichen Informationsmanagementprozess über den gesamten Lebenszyklus ausgerichtet.
Veröffentlichte Ausgaben: DIN EN ISO 19650-1:2019-08 – Begriffe und Grundsätze; DIN EN ISO 19650-2:2019-08 – Planungs-, Bau- und Inbetriebnahmephase; DIN EN ISO 19650-3:2021-03 – Betriebsphase der Assets; DIN EN ISO 19650-4:2023-06 – Informationsaustausch; DIN EN ISO 19650-5:2021-03 – Spezifikation für Sicherheitsbelange von BIM, der digitalisierten Bauwerke und des smarten Assetmanagements; DIN EN ISO 19650-6:2025-10 – Gesundheit und Sicherheit
Aktuelle Entwürfe: DIN EN ISO 19650-1:2026-04 – Entwurf; DIN EN ISO 19650-2:2026-04 – Entwurf; DIN EN ISO 19650-3:2026-06 – Entwurf - LOIN – Level of Information Need
Der LOIN beschreibt, welche Informationen für einen bestimmten Zweck zu einem bestimmten Zeitpunkt und für einen bestimmten Akteur benötigt werden. Dabei wird der Informationsbedarf nicht über einen pauschalen Detaillierungsgrad definiert, sondern gezielt anhand der erforderlichen geometrischen Informationen, alphanumerischen Informationen und Dokumentationen festgelegt.
Die methodischen Grundlagen wurden ursprünglich in der DIN EN 17412-1 beschrieben und werden inzwischen auf internationaler Ebene in der ISO 7817-1 – Bauwerksinformationsmodellierung – Informationsbedarfstiefe – weitergeführt. - AIA – Auftraggeber-Informationsanforderungen
Die AIA beschreiben, welche Informationen der Auftraggeber zur Erreichung seiner BIM-Ziele und zur Umsetzung der definierten Anwendungsfälle benötigt. Sie legen unter anderem Anforderungen an Informationsinhalte, Strukturen, Formate, Qualität und Lieferzeitpunkte fest und bilden damit eine wesentliche Grundlage für die Informationsbestellung und BIM-basierte Projektabwicklung. International stehen die AIA im Kontext der Informationsanforderungen nach ISO 19650. Eine wichtige Referenz sind dabei die Exchange Information Requirements (EIR), mit denen Anforderungen an den Informationsaustausch im Rahmen einer Informationsbestellung definiert werden. In Deutschland konkretisiert insbesondere die VDI 2552 Blatt 10 die Erstellung und Struktur von AIA sowie deren Zusammenspiel mit dem BIM-Abwicklungsplan (BAP).
AIA-Vorlage im BIM-Portal des Bundes - BAP – BIM-Abwicklungsplan
Der BAP beschreibt, wie die Informationsanforderungen und BIM-Ziele eines Projekts konkret umgesetzt werden. Er legt unter anderem Prozesse, Rollen und Verantwortlichkeiten, verwendete Systeme und Datenformate, Modellierungs- und Koordinationsregeln sowie Informationslieferungen und Qualitätssicherungsprozesse fest. Während die AIA beschreiben, welche Informationen und Leistungen benötigt werden, definiert der BAP, wie diese Anforderungen durch die Projektbeteiligten umgesetzt und organisiert werden. Der BAP wird projektspezifisch erstellt und kann im Verlauf des Projekts fortgeschrieben und konkretisiert werden. nternational steht der BAP im Kontext des BIM Execution Plan (BEP) nach ISO 19650-2. In Deutschland beschreibt insbesondere die VDI 2552 Blatt 10 das Zusammenspiel von AIA und BAP.
Infos zu BAP und Beispieldokumente im BIM Deutschland Portal.
Digitale Zwillinge
Offene Standards schaffen die Grundlage für einen herstellerneutralen Informationsaustausch. Von der Struktur des Informationsmodells über eindeutig definierte Eigenschaften und Informationsanforderungen bis zur modellbasierten Zusammenarbeit greifen verschiedene OpenBIM-Standards ineinander.
- DIN EN 18162 – BIM- Digitale Zwillinge in der bebauten Umwelt – Struktur und Definitionen
Die EN 18162:2025-02 schafft einen grundlegenden Rahmen für Digitale Zwillinge in der bebauten Umwelt. Sie definiert zentrale Begriffe und Konzepte, beschreibt die Beziehung zum Building Information Modelling (BIM) und betrachtet qualitative Merkmale Digitaler Zwillinge, beispielsweise hinsichtlich geometrischer, attributiver, struktureller und infrastruktureller Informationen. Sie bildet damit eine wichtige Grundlage für ein gemeinsames Verständnis Digitaler Zwillinge im Bau- und Gebäudekontext. - DIN SPEC 91607 – Digitale Zwillinge für Städte und Kommunen
Die DIN SPEC 91607:2024-11 überträgt das Konzept des Digitalen Zwillings auf den urbanen und kommunalen Kontext. Sie beschreibt Anforderungen an Urbane Digitale Zwillinge und behandelt unter anderem deren Aufbau, Anwendungsfälle und unterschiedliche Reifegrade. Damit bietet sie Städten und Kommunen einen Orientierungsrahmen für die Konzeption und Weiterentwicklung eigener Digitaler Zwillinge.
Ein wesentliches Merkmal ist dabei die Verbindung zwischen der realen und der virtuellen Welt.
Ein Digitaler Zwilling besteht demnach aus drei grundlegenden Bestandteilen:
– Physikalischer Gegenstand in der realen Welt
– Virtueller Gegenstand in der virtuellen Welt
– Bidirektionale Verbindung zwischen realem und virtuellem Gegenstand
Damit ist nicht jedes BIM-Modell automatisch ein Digitaler Zwilling. Ein BIM-Modell kann eine wesentliche Informationsgrundlage bzw. den virtuellen Gegenstand bilden. Für einen Digitalen Zwilling ist jedoch zusätzlich eine bidirektionale Verbindung zwischen realem und virtuellem Gegenstand erforderlich.
Semantik & Informationsmodelle
Damit Informationen aus unterschiedlichen Systemen gemeinsam genutzt werden können, müssen sie nicht nur technisch verfügbar, sondern auch eindeutig beschrieben und miteinander in Beziehung gesetzt werden. Semantische Modelle und Informationsarchitekturen schaffen einen gemeinsamen Kontext für Daten und ermöglichen es, Informationen systemübergreifend zu verknüpfen, maschinell auszuwerten und für unterschiedliche Anwendungsfälle bereitzustellen.
- Ontologie
Ontologien beschreiben Begriffe einer Domäne sowie deren Eigenschaften und Beziehungen in einer formal definierten Struktur. Sie schaffen damit eine gemeinsame Bedeutungsebene für Informationen und ermöglichen es Maschinen, Zusammenhänge zwischen Daten eindeutig zu interpretieren. Im Kontext von Gebäuden können beispielsweise Räume, Anlagen, Sensoren und Messwerte semantisch beschrieben und miteinander in Beziehung gesetzt werden. Damit bilden Ontologien eine wichtige Grundlage für interoperable Informationsmodelle, Wissensgraphen und Digitale Zwillinge. Semantic Web beim W3C - RDF – Resource Description Framework
RDF ist ein vom W3C standardisiertes Datenmodell zur Beschreibung und Verknüpfung von Informationen. Informationen werden dabei als Aussagen aus Subjekt, Prädikat und Objekt dargestellt und können zu einem Graphen miteinander verbunden werden. RDF bildet damit eine wichtige technische Grundlage für Linked Data, Ontologien und Wissensgraphen. RDF 1.1 ist eine W3C Recommendation; RDF 1.2 befindet sich aktuell im Candidate-Recommendation-Status. RDF beim W3C - Linked Data
Linked Data bezeichnet ein Konzept zur systemübergreifenden Verknüpfung strukturierter Informationen. Daten erhalten eindeutige Identifikatoren und können über definierte Beziehungen miteinander verbunden werden. Dadurch können Informationen aus unterschiedlichen Datenquellen in einen gemeinsamen Kontext gebracht werden, ohne sie zwingend in einem einzigen zentralen Datenmodell zusammenzuführen. Linked-Data-Grundlagen beim W3C - Wissensgraphen
Wissensgraphen organisieren Informationen als Netzwerk aus Entitäten und ihren Beziehungen. Dadurch können Daten aus unterschiedlichen Quellen miteinander verknüpft und Zusammenhänge explizit abgebildet werden. Im Gebäudekontext kann ein Wissensgraph beispielsweise die Beziehungen zwischen Gebäuden, Räumen, technischen Anlagen, Sensoren, Dokumenten und Betriebsdaten zusammenführen.
- Brick Schema
Brick ist eine offene Ontologie zur semantischen Beschreibung von Gebäuden und ihren technischen Systemen. Sie stellt definierte Klassen und Beziehungen für unter anderem Räume, Anlagen, Sensoren und Datenpunkte bereit und ermöglicht eine einheitliche, maschinenlesbare Beschreibung unterschiedlicher Gebäudesysteme. Brick verwendet RDF als Datenmodell und ist insbesondere für Anwendungen im Gebäudebetrieb, in der Analyse und in der Gebäudeautomation interessant. Brick Schema · Brick Dokumentation - Asset Administration Shell (AAS)
Die AAS – deutsch Verwaltungsschale – ist ein standardisiertes Konzept zur digitalen Repräsentation von Assets und bildet eine wesentliche Grundlage für Digitale Zwillinge im Kontext von Industrie 4.0. Informationen eines Assets werden strukturiert in Teilmodellen bereitgestellt und können über standardisierte Schnittstellen systemübergreifend genutzt werden. Die Spezifikationen werden von der Industrial Digital Twin Association (IDTA) weiterentwickelt und umfassen unter anderem Metamodell, APIs, Datenspezifikationen, Security und das AASX-Dateiformat. AAS-Spezifikationen der IDTA - Data Mesh
Data Mesh ist im Gegensatz zu Ontologien oder RDF kein Datenmodell oder Standard, sondern ein Architektur- und Organisationsansatz für den Umgang mit verteilten Daten. Daten werden dabei dezentral in fachlichen Domänen verantwortet und als eigenständige Datenprodukte bereitgestellt. Zu den grundlegenden Prinzipien gehören Domain Ownership, Data as a Product, eine Self-Service-Datenplattform und föderierte Governance. Data Mesh Principles – Zhamak Dehghani
buildingSMART
BIM Hamburg
BIM Alianz
TGAbar
CEN/ISO
Beispiel-AIA Beispiel-BAP IFC-Struktur Modellierungsrichtlinie LOIN-Beispiel IDS-Beispiel
Link HTW
MR4B
aber auch BIM KIT etc
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